dieser text bezieht sich eigentlich nur auf meine eigene gefühlswelt. wenn wer daraus was ziehen kann, freuts mich. inhaltlich gehts darum, manchmal keine kraft mehr zu haben. der text ist inzwischen ein paar monate alt. das glas hat z gemalt, nachdem ich meinte, dass das irgendwie gut zum text passen könnte.
es gibt so momente, manchmal stunden, manchmal tage, ganz selten auch mal wochen, da geht bei mir die resilienz verloren.
was ist das, resilienz? für mich ist das wie so eine art puffer, der mir erlaubt, stark zu bleiben und standhaft, bei allem kram der einer* irgendwie an die nieren geht.
belastungen sehen für jeden menschen anders aus und auch die größe dieses puffers ist bei jeder* anders. für mich selbst ist es immerwieder wichtig festzustellen, dass es anderen schlechter geht als mir, aber dass ich vor diesem hintergrund trotzdem nicht meine eigenen gefühle ignorieren sollte. diese ignoranz lässt meine eigene persönliche resilienz dann schrumpfen. und das bringts dann auch nicht, für keine*. wichtig ist, eigene privilegien zu reflektieren. wichtig ist auch, sich nicht immer ständig an anderen zu messen.
so viel erstmal dazu. ich will nicht rumheulen, nur versuchen, mich auszudrücken.
es gibt da also diese tage, da hab ich gefǘhlt einfach eine dünne haut. da kommt dann irgendwie alles mögliche durch.. jeder scheißkommentar, der vielleicht garnicht so gemeint ist, jede nachricht im radio, die auf ner ebene heißt, dass wir in ner ungerechten welt leben, jede verschwörungsideologie, die ich dann vielleicht zufällig im internet lese. eine reaktion ist weltschmerz. alles scheiße, ich will diese tür einfach mal ein paar tage zumachen und mich unter ner decke verkriechen.
eine andere reaktion ist wut. im besten fall kann ich diese wut dann irgendwie umsetzen in was konstruktives, was, sei jetzt hier mal dahingestellt. aber manchmal, da ist da nur diese wut, kombiniert mit einer art von traurigkeit, die nicht unbedingt zu konstruktivem schaffen verleitet. was dann mir oft hilft, ist das gefühl, nicht alleine zu sein, und dass es andere menschen gibt, die ähnlich fühlen oder die kämpfen. gleichzeitig neige ich in so einer gefühlslage dazu, mich nicht mehr zu melden und mich zu isolieren. vor allem, um menschen nicht mit meinem emotionalen gedöns auf den geist zu gehen.
ich zieh jetzt mal ein paar schlüsse für mich aus diesem nächtlichen geschriebsel.
es ist erstmal überhaupt gut, dinge wahrzunehmen. dicke panzerung gegen die ungerechtigkeit lässt auch nur abstumpfen (notiz an mich: manchmal ist diese panzerung aber unheimlich hilfreich).
es ist auch gut, diese gefühle umzuwandeln in taten, die im besten fall irgendwas ändern.
es ist gut, wenn ich darüber nachdenke, inwiefern ich die emotionalen kapazitäten anderer menschen in anspruch nehme. es wird dann kritisch, wenn ich davon ausgehe, dass ich das immer tue und anfange, mich meinen freund*innen gegenüber garnicht mehr emotional zu zeigen. alle gefühle immer in den raum stellen, halte ich inzwischen für problematisch, nie gefühle zu zeigen aber genauso.
ich hab das gefühl, nie genug tun zu können. gleichzeitig ist das ein längerer prozess, rauszufinden, was ich genau tun kan und will. dem muss ich mich aktiv stellen.
wenn es mal tage gibt, an denen ich kein bock auf aufstehen hab, ist das okay. wenn es mal tage gibt, an denen ich einfach nur möchte, dass mich wer in den arm nimmt, ist das okay. was okay für mich ist, bestimme ich. manchmal muss ich mich selbst aber daran erinnern.
resilienz ist nicht immer gleich groß. jetzt gerade ist meine eher klein, ich hoffe, sie wächst in den nächsten tagen wieder.
und ich sag mal so: vielleicht würde es auch helfen, abends keine verschwörungidiot*innen mehr im internet zu recherchieren, und mich dann damit stressen, dass ich zu wenig schlaf krieg. nächstes projekt für die resilienzförderung: früher einschlafen! aber bloß kein stress und kein selbstoptimierungszwang.
geschrieben von m, irgendwann im mai oder juni 2020.